Kölner Stadt Anzeiger, 20.09.2008
Freizügig

Sie grinst. Und freut sich diebisch über besonders explizite Stellen in ihrem Buch „Feuchtgebiete“ - und die dadurch erzeugte ausgelassene Stimmung im Publikum.

Charlotte Roche sitzt im ausverkauften Gloria und liest den berüchtigten ersten Satz: „Seitdem ich denken kann, habe ich Hämorriden.“ Doch bevor sie zum Vorlesen kommt, erst mal die Frage, wer das Buch alles gelesen hätte.

Ein Großteil der Publikumshände schnellt in die Luft „Warum seid ihr denn dann alle hier? Ah, ihr wollt den ganzen Sau-Kram noch mal aus meinem Mund hören.

Setzt an in der Erzählung rund um Helen Memel, die wegen einer Analfissur im Krankenhaus landet und sich so ihre eigenen Gedanken um Masturbation, Intimhygiene und Sexualpraktiken macht.

Und unterbricht: Sie sei, wenn sie in Köln lese, immer so aufgeregt: „Ich denke dann: Die könnte ich ja auf der Straße treffen.“ Zwischen die freizügigen Gedanken ihrer 18-jährigen Protagonistin streut Roche hier und da persönliche Bemerkungen ein.

„Wenn ich so komisch gucke, dann nur, weil ich mich über mein eigenes Buch wundere.“ Und manche Stellen lese sie gar nicht erst vor- die seien ihr selbst zu eklig. Im Gegensatz zu Helen sei sie nämlich gehemmt.

Und ein „Feuchtgebiete 2“ wird es auf keinen Fall geben: „Alle wollen mit mir nur noch über Sex reden!“ (kag)

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