13.12.07 - RP Düsseldorf
Lesung im zakk
Offen und direkt: Frank Plasberg

Er ist eine Stimmungskanone. Nicht dass bei der Lesung aus seinem Buch „Der Inlandskorrespondent“ die Besucher auf den Tischen tanzen würden. Aber mit seinem Blick für die menschlichen Details, mit Direktheit und Offenheit erzeugt Frank Plasberg im Zakk eine Atmosphäre, in der man über jedes Thema anspruchsvoll reden und sich dabei gleichzeitig wohlfühlen kann. Weil er keine Fehler macht, immer höflich nachfragt, freche Witze nur da einstreut, wo es passt und weil er Vorurteile lieber diskutiert statt verschweigt. „Ich möchte merkwürdige Stimmung nicht aufkommen lassen“, nennt das der Mann aus Wermelskirchen, der seine Sendung „Hart aber fair“ in Düsseldorf und Berlin produziert.

Auf die Bühne tritt er etwas verspätet, weil er sich von seinem Essen hinter den Kulissen nicht losreißen konnte. Seinen kuscheligen Schal zieht er als erstes aus, später auch den wolligen Pullover. Nach ein paar Lockerungsübungen („bitte Licht an, damit ich sehe, ob jemand da ist“; „wie lang ham se Zeit?“) liest er ein journalistisches Schlüsselerlebnis, zu dem ihm seine Mutter verhalf. Denn sie hatte ihn mit einem erschrockenen politisch unkorrekten Ausspruch darauf gebracht, dass bei der Berichterstattung über den damaligen Bettelmarsch der Sinti und Roma von Köln nach Düsseldorf die Schicksale, Hoffnungen und Ängste der Menschen außen vor blieben.

Folgerichtig rückt Plasberg in seinem Buch die Menschen in den Mittelpunkt, um wichtige Themen zu veranschaulichen, um zu zeigen, dass Statistiken sich nicht um Einzelschicksale scheren. Ein solcher Mensch ist die 84-jährige Düsseldorferin Helga Schlotzhauer, die nach Abzug aller festen Kosten weniger als 200 Euro im Monat zum Leben hat, sich trotzdem nicht arm nennen will und mit Plasberg auf der Bühne intelligent über Diätenerhöhung diskutiert und deren Lage Plasberg einfühlend anhand ihrer abgelebten aber gepflegten Wohnungseinrichtung schildert. Ein anderer ist der ehemalige Spitzenkoch Raimund Ostendorp, der sich mit einer Imbissbude in Bochum mehr Ruhe und Geld verschaffte, als vorher in Nobelrestaurants. Essen gab es übrigens auch für die Zuhörer, als Plasberg sein Gericht aus den Kulissen hervorholte. Ganz kurz erinnerte das an Kerners Verköstigungstalkshow. Aber lecker war‘s trotzdem.

Timo van Treeck

Tine Wittler
„Hart aber fair“-Moderator Frank Plasberg ist auf Lesetour.
Foto: ddp

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