15.01.08 - RP Mittlerer Niederrhein
Der Kulturmacher

Tobias Bischoff träumt von einer Karriere als Konzertveranstalter. Daran bastelt der Student bereits jetzt schon kräftig. Er betreibt nebenher eine kleine Agentur - und konnte Wiglaf Droste für einen Auftritt gewinnen.

Vor großen Namen fürchtet sich Tobias Bischoff nicht. Ganz im Gegenteil. Der Jagdinstinkt scheint ihn zu packen, wenn es darum geht, einen Künstler für Veranstaltungen zu gewinnen. So war es auch bei Wiglaf Droste, dem Satiriker, der in literarischen Kreisen als "kritischer Geist" tituliert und mit Kurt Tucholsky oder Tom Waits verglichen wird. Abgeschreckt hat das den 27-jährigen nicht. "Ich habe einfach beim Management angefragt. Das Management ist sehr nett.", sagt er völlig unspektakulär. Und weil Droste zwischen zwei Auftritten einen freien Tag habe, habe dieser für eine Lesung in Gladbach zugesagt.

In ähnlich unaufgeregter Weise erzählt Bischoff davon, dass er auch "Hart aber Fair"-Talker Frank Plasberg und Harald Schmidts ehemaligen Nebenmann Manuel Andrack ins Auge gefasst hatte.
Für ein Projekt seines Fachbereichs an der Hochschule Niederrhein wurde es dann aber letztendlich Wiglaf Droste.

Und so hat sich Bischoff um den Auftrittsort gekümmert, die Gage verhandelt und den Auftritt beworben. Klingt kinderleicht. Ganz so ist es jedoch nicht.

Der Kulturpädagogikstudent ist kein Anfänger, was Konzertveranstaltungen betrifft: er machte Praktika an verschiedenen Theatern, darunter das Savoy in Düsseldorf, wo er "viel freie Hand für eigene Sachen hatte"; er absolvierte eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann; er arbeitete für das Köln Comedy Festival und diverse Künstleragenturen.
Als ihm ein HipHop-Event vorschwebte, fasste er den Entschluss, dieses selbst auf die Beine zu stellen.

Mittlerweile betreibt Tobias Bischoff nebenbei eine Agentur. Nichts großes. Er hat keine Mitarbeiter, um alles kümmert er sich selbst. Wenn es sein muss klebt er sogar die Plakate für seine Kulturevents.
"Veranstaltungen zu organisieren ist ein professionelles Hobby für mich. Es reicht nicht, um sich damit komplett selbständig zu machen. Damit habe ich aber etwas in der Hinterhand.", erzählt er in einem ruhigen Ton.

Wenn er jedoch von seinen Veranstaltungen spricht, klingt das alles andere als hätter der 27-jährige ein ruhiges Leben und viel Freizeit:
dreizehn bis vierzehn Veranstaltungen organisiert er im Jahr, dazu kommen vier bis fünf feste Mitarbeiten und Projekte. "Mehr geht absolut nicht", sagt Bischoff, der derzeit auch an seiner Abschlussarbeit zum Thema Satire sitzt.

Ein voller Terminkalender also. Schließlich liegt die Verantwortung ganz allein in seinen Händen - von der Konzeption und der Auswahl des Künstlers über Gagenverhandlungen und die richtige Bühne bis hin zur Werbung.
"Mit der Zeit bekommt man dafür ein Gefühl und wird sicherer. Natürlich hatte ich anfangs auch Flops", sagt Bischoff.

Wichtig sei es, dass er realistisch und zurückhaltend kalkuliere.
"Denn das größte Risiko trägt nicht der Künstler, sondern der Veranstalter."
Mit großen Konzertveranstaltern könne er ohnehin nicht konkurrieren.
Um dem überhaupt etwas entgegenzuhalten, setze er auf intensive Betreuung, Organisation und - soweit das geht - auf ein freundschaftliches Verhältnis zu den Künstlern.

Zudem hat er seine Nische gefunden: "Ich suche mir die Künstler aus, die ich selbst gerne einmal sehen würde."

Andriana Sakarelli

Tine Wittler
Wiglaf Droste liest in Gladbach. Tobias Bischoff hat es geschafft,
den Satiriker in die Stadt zu bekommen.
Der Kulturpädagogikstudent ist schließlich kein Anfänger was
Veranstaltungen betrifft.

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