21.01.08 - WZ
Wiglaf Droste amüsiert in der Spindel sein Publikum.

„Die Satire darf alles“ lautet ein häufig benutztes Tucholsky-Motto. Einer, der in diesem Sinne denkt und schreibt, ist Wiglaf Droste. Im vollbesetzten Kellerraum der Spindel-Kleinkunstbühne und zugleich zum ersten Mal in Mönchengladbach ist der preisgekrönte Autor zu Gast, um aus seinen zahlreichen Büchern und Manuskripten vorzulesen.

Schnoddrig scharfzüngig „schrabbt“ der 46-jährige Wortakrobat aus dem „tünseligen Ostwestfalen“ bei seiner zweistündigen Lesung an der Grenze des guten Geschmacks. Mit harscher Polemik nimmt er die Papstwahl im „Flaschendrehen im Vatikan“ aufs Korn, entlarvt traurige protestantische Verzichtsethik anhand „Kommissar Wallander und die belegten Brote“ oder wünscht dank des Sicherheitswahnsinns Innenminister Wolfgang Schäuble ein trockenes „Roll, Roll“.

Leidenschaftlich und mit bissigem Unterton nimmt der gebürtige Herforder auch bei seinen Betrachtungen von Land und Leuten keinen Blatt vor dem Mund. So brandmarkt der „Aphoristiker“ Brandenburg als „tot geprügelt“ und „erbrochene Pizza“, verfolgt wortschöpferisch das Nordic Walking als „Sport des organisierten Gebrechens“ oder ereifert sich an Begriffen wie „ein Paket beschließen“.

Drostes sprachliche Giftpfeile treffen präzise ins Ziel

Wiglaf Drostes sprachliche Giftpfeile treffen dabei zielsicher den Humor der über 100 Zuhörer. Entrüstet und vergnügt wird oftmals lauthals gelacht über derlei kompromisslosen Wortwitz. Vor Spott scheint keiner sicher zu sein – gerade wenn der ehemalige Titanic-Autor seinen Gedanken freien Lauf lässt.

An „Wanderwarze“ Peter Maffay hat er den Glauben verloren, „denn einen Glauben mit Peter Maffay teilen, braucht kein Mensch“ und selbst der Papst wird zu 55 Cent „persönlich abgeleckt“. Ohne den Hauch einer Lüge würdigt Droste den begeisterten Applaus. „Zwei Worte nur“, so sagt er, „Danke, Mönchengladbach“.

Dass Sprache aber nicht nur eine Waffe sein kann, erfährt man ganz am Ende. In der Tradition eines Robert Gernhardt wird der Satiriker zum Lyriker und reimt einen Satz mit dem Wort Obduktion. Auch dies gelingt ihm humorvoll und hintersinnig.

kroe

Wiglaf Droste
Der Autor Wiglaf Droste ist bekannt für seine
scharfe Zunge.

Zurück